BEFUND · HYPOTHESE · Juli 2026
Umsetzung wird billiger. Entscheidungen werden teurer.
Wenn Agenten in Stunden bauen, was früher Wochen kostete, verschiebt sich der Engpass: vom Bauen zum Auswählen, Prüfen und Beenden.
Die Szene
Ein Donnerstagabend, drei Ideen auf dem Tisch. Ein Feed-Tool für einen Shop, ein Interview-Bot für meine Großmutter, ein Analytics-Modul. Vor zwei Jahren wäre das eine Jahresplanung gewesen. Jetzt könnten alle drei bis Sonntag laufen. Genau das ist das Problem. Die Frage „schaffe ich das?“ ist verschwunden. Übrig bleibt: Welches davon darf existieren? Die Antwort kostet mich inzwischen mehr Energie als früher der Code.
Was die Daten zeigen
30 gestartete Projekte, davon 5 beerdigt. Über 14.000 Commits seit Beginn der Auswertung, Stichtag Juli 2026. Die Commits sind billig geworden. Was nicht billiger wurde: jede Entscheidung, ein Projekt zu starten, zu priorisieren oder zu beenden. Die Entscheidungsdichte pro Woche ist der Wert, der am stärksten gestiegen ist.
Die Grenze
Das gilt nur bei Ideenüberschuss. Wer eine einzige klare Aufgabe hat, erlebt das Gegenteil: Die KI macht die Aufgabe schneller, fertig. Der Entscheidungsdruck entsteht erst, wenn das Bauen so leicht wird, dass ständig neue Kandidaten nachrücken.
Was sich übertragen lässt
Bevor jemand Prompten lernt, lohnt eine ältere Fähigkeit: priorisieren. Wer nicht entscheiden kann, was ungebaut bleibt, bekommt von der KI vor allem eins: mehr angefangene Dinge.