BEFUND · BEOBACHTUNG · Juli 2026
Wenn fast jede Idee baubar wird, wird Auswahl zur eigentlichen Arbeit.
Der Friedhof auf dieser Website zeigt Auswahl unter neuen Bedingungen: Projekte sterben früher, weil der nächste Prototyp nur Stunden kostet.
Die Szene
meolumen war ein funktionierendes Produkt. Es wurde trotzdem beerdigt, weil der Nachfolger Meoluna besser war. Der Figma-Klon starb, weil der Markt das Problem längst gelöst hatte. Beide Entscheidungen fielen nicht, weil etwas kaputt war. Sie fielen, weil weiterbauen billig gewesen wäre und genau deshalb eine bewusste Entscheidung gegen das Projekt nötig wurde.
Was die Daten zeigen
5 von 30 Projekten liegen auf dem Friedhof, jedes mit dokumentierter Todesursache. Die häufigsten: Nachfolger gebaut, Markt bereits ausreichend gelöst, kein eigener dauerhafter Nutzen. Auffällig ist der Zeitpunkt: Die Beerdigungen passieren früher als in meinen alten Projekten ohne Agenten. Wenn der nächste Prototyp nur Stunden kostet, gibt es keinen Grund, an einem mittelmäßigen festzuhalten.
Die Grenze
Auswahl braucht Kriterien, und die entstehen oft erst durch das Bauen selbst. Hätte ich meolumen nie gebaut, wüsste ich nicht, was Meoluna besser machen muss. Ein Teil der beerdigten Projekte war der Preis für diese Information.
Was sich übertragen lässt
Wer mit KI arbeitet, braucht eine Beerdigungsroutine: ein festes Kriterium, wann ein angefangenes Ding stirbt. Ohne diese Routine sammeln sich halbfertige Projekte, und die halbfertigen fressen die Aufmerksamkeit, die den guten fehlt.